Seit Dezember 2025 gilt in Australien ein Gesetz, das Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung sozialer Medien verbietet. Die Absicht dahinter war gut: Junge Menschen sollen vor den nachgewiesenen Risiken sozialer Plattformen (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/jugendschutz/) geschützt werden. Doch erste Forschungsergebnisse zeigen eine unerwünschte Nebenwirkung – und die hat weitreichende Folgen für die Demokratie. Im Februar 2026 befragten Forscher der RMIT University im Rahmen einer Studie (verlinkt auf https://apo.org.au/node/334363) , die das Nachrichtenverhalten junger (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/medienkompetenz/) Australier seit 2017 dokumentiert, insgesamt 1027 junge Menschen zwischen zehn und 17 Jahren. Das Ergebnis ist beunruhigend: Von jenen Jugendlichen, deren Social-Media-Nutzung durch das Verbot erheblich eingeschränkt wurde, gaben 51 Prozent an, seitdem deutlich weniger Nachrichten zu konsumieren. Zwar zeigte sich, dass das Verbot für die Mehrheit bislang kaum greift – 61 Prozent der unter 16-Jährigen berichteten von keiner oder kaum einer Veränderung ihrer Nutzung, lediglich 26 Prozent gaben an, tatsächlich betroffen zu sein. Doch genau darin liegt das Problem: „Je erfolgreicher das Verbot wird, desto mehr sinkt das Nachrichtenengagement junger Menschen“, schreiben die Forscher in einem Begleitartikel (verlinkt auf https://theconversation.com/australian-teens-impacted-by-the-social-media-ban-are-getting-less-news-new-research-281988) zur Studie. Betroffen sind nicht nur Nachrichten an sich. Junge Menschen, die von den Plattformen ausgeschlossen wurden, beteiligen sich laut der Studie auch seltener an gesellschaftlichen Debatten (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/demokratie/) , teilen ihre Meinungen weniger und fühlen sich schlechter in der Lage, auf Probleme in ihrem Umfeld zu reagieren. Das trifft auf ohnehin bereits fragile Umstände. Jugendliche fühlen sich übergangen Ein Bericht (verlinkt auf https://nap.edu.au/docs/default-source/nap-sample/nap-cc-2024-public-report.pdf) der Australian Curriculum, Assessment and Reporting Authority von 2025 zeigt, dass das Staatsbürgerkunde-Wissen australischer Schüler der Jahrgangsstufen sechs und zehn so niedrig ist wie seit Beginn der Erhebungen vor 20 Jahren nicht mehr – obwohl die Jugendlichen selbst mehrheitlich angeben, gesellschaftliches Engagement für wichtig zu halten. Dass junge Menschen soziale Medien überhaupt als Nachrichtenquelle nutzen, kommt nicht von ungefähr. In der Studie gaben 75 Prozent der Befragten an, dass Nachrichtenorganisationen keine Ahnung hätten, wie ihr Leben wirklich aussieht. 71 Prozent finden es schwer, Nachrichten zu finden, die für Menschen ihres Alters relevant sind. Frühere Forschungen der Gruppe zeigen zudem, dass in australischen Medien (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/journalismus/) die Stimmen junger Menschen in Berichten zehnmal seltener vorkommen als Bilder von ihnen – und wenn sie doch vorkommen, dann werden sie häufig als faul, gefährlich oder anspruchsvoll dargestellt. Parallel zu den Entwicklungen in Australien zeichnet sich auch international ein Trend zu strengeren Regeln für Jugendliche in sozialen Netzwerken ab. Mehrere europäische Länder, darunter Frankreich, Dänemark, Spanien und Griechenland, wollen Plattformen wie TikTok und Instagram (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/tiktok/) für unter 15- oder 16-Jährige verbieten. Auch in Deutschland wird über schärfere Vorgaben diskutiert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich bereits für ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren ausgesprochen. Während Regierungen versuchen, über Verbote und Regulierung gegenzusteuern, geraten auch die Tech-Konzerne zunehmend unter Druck, selbst wirksamere Schutzmechanismen zu entwickeln. Meta hat bereits (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/meta/) neue technische Ansätze für seine Plattformen Facebook, Instagram, Messenger und Horizon angekündigt. (verlinkt auf https://about.fb.com/news/2026/05/ai-age-assurance-teens/) Schuldig gesprochen wegen fahrlässigen Designs Deren Wirksamkeit ist jedoch umstritten. Künftig soll eine KI anhand visueller Hinweise – Körpergröße, Knochenstruktur, aber auch Inhalte wie erwähnte Schulklassen oder Geburtstagsfeiern – das Alter der Nutzer schätzen und Konten von Kindern unter 13 Jahren deaktivieren. Außerdem soll ein neues „ Family Centre (verlinkt auf https://familycenter.meta.com/au/) “ elterliche Aufsichtstools für alle Plattformen bündeln. Eltern können ihre Teenager um Erlaubnis bitten, deren allgemeine Interessengebiete einzusehen. Das könnten zum Beispiel Sport, Fotografie oder Schönheit sein. Eine Garantie ist das allerdings nicht: Denn Teenager müssen die Einladung annehmen und können sie auch ablehnen. Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention (verlinkt auf https://www.unicef.org.au/united-nations-convention-on-the-rights-of-the-child) sichert ihnen dieses Recht auf Privatsphäre ausdrücklich zu. Dass die Plattformen selbst Teil des Problems sind, zeigt ein Urteil vom März 2026: Ein US-Gericht sprach Meta und YouTube (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/youtube/) damals wegen fahrlässigen Designs schuldig (verlinkt auf https://www.sydney.edu.au/news-opinion/news/2026/03/26/meta-and-google-just-lost-a-landmark-social-media-addiction-case.html) . Der Vorwurf: Die Konzerne nutzen gezielt suchtfördernde Mechanismen. Eine Einschätzung, die Forscher seit Jahren teilen. „Die Suchtgefahr ist hoch, da Verstärkungsmechanismen wie Likes und Reichweite wie Belohnungen wirken“, sagt Christiane Alberternst von der Hochschule Coburg, die zum Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und Selbstwert bei Jugendlichen forscht. Das fördere intensive Nutzung und führe in einen Teufelskreis, so die Professorin. Besonders problematisch sei das für Jugendliche in der Pubertät, in der (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/pubertaet/) sich die Identität erst herausbilde. Vergleiche mit Influencern, die mit Fotofiltern und Schönheitsoperationen unerreichbare Ideale setzen, verstärkten Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und seien mit negativer Stimmung sowie mehr Selbstobjektifizierung verbunden. Alberternst empfiehlt eine Kombination aus klaren Regeln, elterlichem Vorbild und offenen Gesprächen über das, was Jugendliche online sehen. Die Eltern spielen auch laut der australischen Studienautoren eine Schlüsselrolle: „Familie ist die erste und vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle für junge Menschen“, betonen sie. Zudem plädieren die Forschenden für Investitionen in Medienkompetenzbildung sowie dafür, dass Redaktionen junge Menschen fairer und sichtbarer repräsentieren.